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Goldener Boden

24. April 2018


 

Goldener Boden


Der Zentralverband des Deutschen Handwerks wirbt mit dem Slogan „Das Handwerk – Die Wirtschaftsmacht von nebenan“. Eigentlich ist dieser Spruch auch gut gewählt. Wenn ich aber unsere aktuelle Politik verfolge, drängt sich mir der Verdacht auf, dass diese Macht nicht erwünscht ist.

Als ich mich Anfang 2000 (noch vor den sogenannten Ich-AGs) selbstständig gemacht habe, gab es in der Friseurbranche ca. 3000 Kleinstunternehmen, mit einem gemeldeten Jahresumsatz unter 17.500 Euro. Um es etwas deutlicher zu machen: solche „Unternehmen“, mit einem Monatsumsatz von ca. 1.458 Euro, sind von der Umsatzsteuer befreit. Und während heute, mittelständische Friseurunternehmen (trotz guter Bezahlung) händeringend Mitarbeiter suchen, ist diese Zahl auf über 27.000 gestiegen - das macht inzwischen gut ein Drittel aller Betriebe aus!

Das deutsche Handwerksblatt meldet nun, in seiner Ausgabe vom 12 April 2018, dass die GroKo plant, die Bemessungsgrundlage für die Mindest-Krankenkassenbeiträge für Klein-Selbstständige, von heute 2.283,75 Euro auf 1.150,00 Euro nahezu zu halbieren. Was im ersten Moment gut gemeint klingt, macht mir als Friseur und Unternehmer aber doch ein wenig Angst.

„Handwerk hat goldenen Boden“, heißt es so schön. Der Spruch zielt darauf ab, dass, wer sein Handwerk gut versteht, auch gut verdient und für die berufliche Zukunft eine gute Wahl getroffen hat. Die eigentliche Bedeutung dieses Sprichworts, von dem nur der erste Teil häufig zitiert wird, ist heute aber kaum noch bekannt. Das Zitat stammt aus der Zeit der industriellen Revolution und lautet vollständig: „Handwerk hat goldenen Boden, sprach der Weber, da schien ihm die Sonne in den leeren Brotbeutel.“ Der Spruch wies also auf das Gegenteil hin, nämlich auf die große Armut kleiner Handwerker. Natürlich und zum Glück haben sich die Zeiten geändert und verarmen muss ein Handwerker heute nicht - heute!

Nicht fiktiv, ist da das Beispiel einer selbstständigen Friseurmeisterin, die nur 800 Euro Verdienst im Monat angibt, 100 Prozent der abzuführenden Umsatzsteuer spart und zukünftig wohl auch 50 Prozent des Krankenkassenbeitrags. Sie ist vielleicht sogar auf die Hilfe der Solidargemeinschaft angewiesen. Ein Filmtitel von 1970 lautet: „Abgerechnet wird zum Schluss“.

Diese Art der „Einzelkämpfer“ wird nicht ausbilden, sich nicht einer Innung anschließen und können wenig in die sozialen Kassen zahlen. Bitte verstehen Sie mich jetzt nicht falsch, ich bin für eine Regelung, die Unternehmern den Start in die Selbstständigkeit erleichtert. Ich habe aber Angst, dass auf diese Weise (langfristig) der Mittelstand im Handwerk abgeschafft wird. Doch Sie ahnen wohl schon selbst, wo die Reise hingeht und wer die Zeche zahlen muss…


Freundliche Grüße,
Carsten Gehse
Team HEAD SPA®

 

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